Fachveranstaltung (13. Juli 2022 in Karlstein)

Foto (Sybille Bleckschmidt): Referenten und Organisatoren, v.l.n.r.: Bürgermeister Peter Kreß, Flächensparmanagerin Anne Weiß, Dr. Stefan Poths, Vorsitzender des Umweltbeirates Karlstein, Mario Pani vom Ingenieurbüro Steenken & Breitenbach, Dr. Anne-Kathrin Jackel vom Sachgebiet Wasserwirtschaft der Regierung von Unterfranken und Clara Bartke, Umweltschutzbeauftragte der Gemeinde Karlstein.


„Grüne und blaue Infrastruktur in der Kommune“

Pressemitteilung

122/2022
Würzburg, 18.07.2022

Wie schaffen wir die ökologische, klimakonforme Gemeindeentwicklung?

Von naturnahen Grünflächen und lebendigen Bächen

Würzburg (ruf) – Wie wappnen sich Kommunen am Bayerischen Untermain künftig gegen die Auswirkungen von Klimawandel und Flächenverbrauch? Mit welchen Maßnahmen lassen sich Starkregen, Trockenheit und Hitze kompensieren? Um diese Fragen drehte sich die Fachveranstaltung „Grüne und blaue Infrastruktur in der Kommune“ am 13. Juli in Karlstein a.Main. Organisiert wurde sie von der Regierung von Unterfranken in Kooperation mit dem Umweltbeirat Karlstein im Rahmen der Flächensparoffensive.

Bürgermeister Peter Kreß sprach zu Beginn allen Teilnehmenden ein herzliches Willkommen aus und stellte den Bereich Umwelt-, Natur- und Klimaschutz der Gemeinde vor. „Wir sind froh, seit kurzer Zeit sogar über eine eigene Umweltschutzbeauftragte zu verfügen. Clara Bartke hat die grüne und blaue Infrastruktur bei uns fest im Blick.“ In der Themenhinführung verwiesen die Flächensparmanagerinnen der Regierung von Unterfranken auf die Dringlichkeit einer klimaangepassten Siedlungsgestaltung. „Wir müssen bereits jetzt – nicht erst übermorgen – anfangen, unser bisheriges Planungsverständnis zu überdenken und neue Standards zu setzen“, appellierte Anne Weiß.

Den Insekten eine Chance
Von der hessischen Kleinstadt Riedstadt kann man sich dabei einiges abschauen. Matthias Harnisch, zuständig für das Grünflächenmanagement in der Kommune, berichtete über die langen und erfolgreichen Bemühungen um mehr innerörtliche Biodiversität. Straßenbegleitgrün wurde konsequent umgestaltet und regionales Saatgut eingebracht, um mehr Naturnähe herzustellen. „Bei uns in Riedstadt mähen wir nie die komplette Fläche, lassen immer 10 – 15 Prozent stehen, um die Insekten zu unterstützen“, so Harnisch. Durch wissenschaftliche Evaluation ließ sich feststellen, dass nun etwa 150 Arten auf Flächen vorherrschen, die zuvor nur rund 20 Arten beherbergten. Allerdings: Es bedürfe noch vieler Öffentlichkeitsarbeit, um die Akzeptanz für vermeintlich unordentliches, wildes Grün im Ort zu stärken. „Die Diskussion in den sozialen Medien ist nicht gerade geprägt von ökologischem Hintergrundwissen“, bedauerte der Landschaftsarchitekt.

Ökologische Aufwertung von Bächen
Dr. Anne-Kathrin Jackel vom Sachgebiet Wasserwirtschaft der Regierung von Unterfranken erläuterte die vielfältigen Vorteile naturnaher Bäche, gerade innerorts, und stellte das Projekt „Auf zu lebenswerten Bächen“ vor. Dieses unterstützt die Wasserwirtschaftsämter bei der Beratung von Kommunen zu ökologischen Maßnahmen an Gewässern und den Fördermöglichkeiten der Wasserwirtschaft. Zudem stellte sie konkrete Maßnahmen vor, die den ökologischen Zustand kleiner Fließgewässer verbessern können. Dazu zählen etwa die Beschattung von Bächen durch Ufergehölze oder die Verbesserung der Durchgängigkeit. „Unsere Gewässer sind durchschnitten von Hindernissen, die viele Wasserorganismen nicht überwinden können“, so Dr. Jackel. „Um das zu ändern, helfen oft schon kleinere Maßnahmen im Rahmen der Gewässerunterhaltung.“

Vortrag Matthias Harnisch im voll besetzten Rudolf-Wöhrl-Pavillon, Karlstein

Die anschließende Forumsdiskussion sorgte für regen Austausch. Einige Stimmen aus dem Publikum sprachen sich für strengere gesetzliche Regeln aus, um eine klimafreundliche Ausgestaltung von Siedlungen zu fördern. Andere waren der Ansicht, dass man selbst auf freiwilliger Basis längst hätte begreifen müssen, wie wichtig mehr Grün und Blau für das nachhaltige Funktionieren der Gemeinden sei. In der Diskussion boten Kreisbaumeister Andreas Wosnik vom Landratsamt Miltenberg und Johannes Hemmelmann, zuständig für die Städtebauförderung bei der Regierung von Unterfranken den Kommunen an, gerne bei gemeindlichen Planungen zu beraten. Dr. Stefan Poths, Vorsitzender des Umweltbeirates, freute sich über die gelungene Veranstaltung. „So viele Gäste hatten wir bei einer Fachveranstaltung in Karlstein schon lange nicht mehr. Die hohe Teilnehmerzahl spiegelt den aktuellen Klärungsbedarf zu Klimaschutz- und Biodiversitätsfragen innerhalb des Siedlungsbereichs wider.“

Renaturierter Hagbach mit Bewuchs

Exkursionsgruppe a. d. renaturierten Hagbachmündung

Praxisbeispiel Hagbachmündung
Zum Abschluss bot Mario Pani vom Ingenieurbüro Steenken & Breitenbach eine Fußexkursion zur renaturierten Hagbachmündung an. Auf Drängen des Umweltbeirates war in Karlstein der Hagbach wieder in einen mäandrierenden, naturnahen Zustand versetzt worden. Nun ist er an manchen Stellen für Naherholung zugänglich, anderswo herrscht ein dichtes Meer an Disteln und Brennnesseln. Unordentlich fanden die meisten Interessierten das nicht – angesichts der zahlreichen Hummeln und Schmetterlinge, die sich dort tummeln.

Veröffentlichung GZ | 28.07.2022

  • Der Karlsteiner Umweltbeirat
  • Mitglieder des Umweltbeirates
  • Vorträge/Projekte
  • Veröffentlichungen des Umweltbeirates
  • Preisträger
  • Aktuelle Informationen
  • In der Gemeinde Karlstein am Main haben sich seit vielen Jahren Bürger privat oder ehrenamtlich für den Umweltschutz engagiert. Dieses Engagement und die damit verbundenen Anregungen haben sich für die Gemeinde als sehr wertvoll erwiesen. Um dieses Bürgerengagement zielführend in die Verfahrensabläufe einzubinden, sollten diese Erfahrungen und Kenntnisse der Ortsbürgerinnen und Ortsbürger in einem Beirat gesammelt und erörtert werden. Dieses Gremium sollte abschließend Hinweise und Vorschläge in Fragen des Natur- und Umweltschutzes formulieren.

    Auf  Vorschlag des Gemeinderates wurde deshalb am 15. September 1987 der Umweltbeirat der Gemeinde Karlstein gegründet. Dieser unterstützt den Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung bei der Entwicklung, Weiterentwicklung und Fortführung von umweltrelevanten Maßnahmen. Hierzu kann er auch eigene Ideen und Vorschläge einbringen. Aufgabe des Beirates ist es also auch, den Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung in grundsätzlichen Fragen des Natur- und Umweltschutzes zu beraten. Diese Beratung erstreckt sich insbesondere auch auf alle größeren gemeindlichen Hoch- und Tiefbauprojekte soweit Natur- oder Umweltschutzbelange tangiert sind, den Flächennutzungsplan, den Landschaftsplan, Bebauungspläne die Forstwirtschaftsplanung und Natur- oder Umwelt-relevante örtliche und überörtliche Fachplanungen. Die erarbeiteten Empfehlungen werden an die Gemeindeverwaltung übergegeben, damit diese an die entsprechenden Entscheidungsgremien wie z. B. den Gemeinderat weitergeleitet werden.

     

    Geschäftsordnung des Umweltbeirats

    GESCHÄFTSORDNUNG

     

    30jähriges Bestehen & „Umweltpreisträger 1. Platz“

    Festschrift downloaden: ins Bild klicken

    Im Jahr 2017 feierte der Umweltbeirat Karlstein sein 30jähriges Bestehen.

    Festschrift downloaden

     

     

     

     

     

     

     

    Eines ihrer größten Erfolge konnten die Gremium-Mitglieder ein Jahr zuvor (2016) mit der Auszeichnung
    des „Umweltpreises des Landkreises Aschaffenburg“ – 1. Platz – feiern.

  • 1. Vorsitzender Dr. Stefan Poths, Tel. 06188/990933 poths-stefan
    2. Vorsitzender Günter Lang

     

     

     

     

     

     

     

    Winfried Bruder
    Robert Ehrenhart
    Winfried Frepponumweltbeirat
    Horst Herzog
    Werner Heßberger
    Karlheinz Huth
    Werner Imhof
    Reinhard Koch
    Karl-Heinz Lindner
    Martin Mähliß
    Burkhard Merget
    Franz Sell
    Helmut Winter

  • Im Rahmen der vielfältigen Projektarbeit des Umweltbeirats werden eine Vielzahl von Vorträgen erarbeitet und veröffentlicht, die – sofern Themen-Unterseiten bestehen – dort sowie hier untentstehend gesammelt abrufbar sind.

     

     

     

     

     

    Vortrag zur Freiraum- und Gartengestaltung im Einsatz für Biodiversität und Artenschutz am 21.06.2018

    Ausstellung Verlust der Nacht im Herbst 2017

    Vortrag Lichtverschmutzung am 12.10.2017

    Vortrag Terra-preta am 05.03.2015

  • Terra preta – Biokohle in der Landwirtschaft

    Bienenweiden

    Festschrift zum 30-jährigen Bestehen des Umweltbeirats Karlstein

    Stellungnahme zum integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK)

  • Umweltpreis Landkreis Aschaffenburg 2016 (1. Platz)

    Grüner Engel – Preisverleihung an Robert Ehrenhart 2018

  • Herbstzeit – Igelzeit

    Winterquartiere anbieten
    Verletzungsfallen Mähroboter & Co.

    Zum Artikel des Mitteilungsblattes Nr. 41

     

    Stand des Artikels: Oktober 2021


    Bienen meiden Forsythien – Warum?

    Wer Forsythien mag, braucht nicht darauf verzichten. Allerdings wäre es wünschenswert, zusätzlich zwei oder drei Kornelkirschen einen angemessenen Platz im Garten zu bieten. Die Kornelkirsche, die je nach Standort und Wasserversorgung drei bis sechs Meter hoch werden kann, eignet sich ausgezeichnet für eine sog. „wilde“ Heckenpflanzung, bei der ein Formschnitt entfällt und eventuell ein Rückschnitt alle acht bis zehn Jahre empfohlen wird, um ein Vergreisen der Pflanze zu verhindern.

     

     

     

     

    Zur Information/Empfehlung des Umweltbeirats


    Böden und Klimaschutz – Wie passt das zusammen?

    Zur Themenseite


    ISEK

    Zur Ortsentwicklung hat der Umweltbeirat im Rahmen des ISEK-Prozesses Stellung bezogen.

    ISEK - Stellungnahme des Umweltbeirats


    Ringelnattern in Kleingartenanlagen

    Der Umweltbeirat hat erfahren, dass im Bereich der Kleingartenanlage im Gemeindeteil Großwelzheim aktuell Schlangen beobachtet worden sind. Gleiches ist von Gartenbesitzern im Wohngebiet „Karlstein II“ östlich der neuen Feuerwache zu hören gewesen.

    ringelnatterDie Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Aschaffenburg hat anhand von Fotos die gesichtete „Schlange“ als Ringelnatter identifiziert. Dass diese seltenen und streng geschützten Tiere erstmals in den Gartenanlagen angetroffen werden, hat der fachlichen Auskunft folgend mit den Veränderungen in der Landschaft am nordöstlichen Großwelzheimer Ortsrand, zum Beispiel durch Baumaßnahmen, zu tun.

    Die Ringelnatter ist eine in die hiesigen Biotope hervorragend passende Schlange, die als völlig harmlos für den Menschen eingestuft werden muss. Sie besitzt weder Gift noch Giftzähne und beißt nur im äußersten Notfall zu, wenn sie zum Beispiel unsachgemäß angefasst wird.

    Da die Ringelnatter ein sehr scheues Tier ist, flieht sie bei Gefahr geräuschlos in ein Versteck – am liebsten ins Wasser. Wenn sie sich bedroht fühlt, zischt sie heftig. Beim Ergreifen beißt sie nicht unbedingt, sondern scheidet als Abwehrreaktion aus der Analdrüse eine stinkende, gelb-weiße Flüssigkeit aus, deren Geruch noch lange an Haut und Kleidern haften bleibt.

    Als Lebensraum bevorzugt die Ringelnatter, die sich überwiegend von Amphibien ernährt, die Nähe von Gewässern. Sie kann aber auch in einiger Entfernung vom Wasser in Wiesen, Steinbrüchen, auf Waldlichtungen und in Hausgärten angetroffen werden.

    Weil die Ringelnatter wie alle heimischen Reptilien streng geschützt ist, und weil sie zudem ungiftig und harmlos ist, lautet unsere Empfehlung, die Tiere möglichst in Ruhe zu lassen und ihnen Möglichkeiten zum Entkommen bzw. zum Verstecken wie etwa in Holzhaufen oder dichtes Buschwerk mit Krautschicht zu bieten.

    Karlstein, Juli 2019