zur vorläufigen Sicherung des vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg ermittelten Überschwemmungsgebietes für den Main in den Gemarkungen Kahl a. Main, Karlstein a. Main, Kleinostheim, Stockstadt a. Main, Mainaschaff, Fluss-km 66,560 bis 84,360

 Die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es wichtig ist, aktiv vorzusorgen, um Hochwasserschäden zu minimieren. Eine Voraussetzung dafür ist, die Gebiete zu ermitteln, die bei Hochwasser voraussichtlich überschwemmt werden. Das Bayerische Wassergesetz (BayWG) verpflichtet deshalb die Wasserwirtschaftsämter, die Überschwemmungsgebiete in Bayern zu ermitteln und zu kartieren (Art. 46 Abs. 1 des Bayerischen Wassergesetzes – BayWG).

Grundlage für die Ermittlung des Überschwemmungsgebietes ist das 100-jährliche Hochwasser (Bemessungshochwasser – HQ 100 ). Ein 100-jährliches Hochwasser wird im statistischen Mittel in 100 Jahren einmal erreicht oder überschritten. Da es sich um einen statistischen Wert handelt, kann dieser Abfluss innerhalb von 100 Jahren auch mehrfach auftreten.

Für den Main wurde für den Gewässerabschnitt Fluss-km 66,560 bis 84,360 das Überschwemmungsgebiet berechnet und in dem anliegenden Übersichtsplan dargestellt. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich dabei um die Ermittlung und Dokumentation einer von Natur aus bestehenden Gefährdungslage und nicht um eine durchgeführte oder veränderbare Planung handelt.

Die bei einem Bemessungshochwasser überschwemmten Flächen sind in der Übersichtskarte Ü 1 im Maßstab 1 : 25.000 blau eingefasst. Detailkarten K 1 bis K 10 im Maßstab 1 : 2.500 können an folgenden Stellen während der üblichen Dienstzeiten eingesehen werden:

  • Landratsamt Aschaffenburg, Sachgebiet Wasser- und Bodenschutz, Zimmer Nr. 3.11, Ansprechpartnerin Frau Eizenhöfer
  • Gemeinde Kahl a. Main, Rathaus, Zimmer Nr. 8, Ansprechpartnerin Frau Sievering
  • Gemeinde Karlstein a. Main, Rathaus, Zimmer Nr. 4, Ansprechpartner Frau Stapp
  • Gemeinde Kleinostheim, Rathaus, Zimmer Nr. 16, Ansprechpartner Herr Franz
  • Markt Stockstadt a. Main, Rathaus, Zimmer E.04, Ansprechpartner Herr Schneider
  • Gemeinde Mainaschaff, Rathaus, Zimmer Nr. 10 G 01, Ansprechpartner Herr Kerz

Mit dieser Bekanntmachung gelten die Flächen, die nicht in einem festgesetzten Überschwemmungsgebiet oder Vorranggebiet liegen, als vorläufig gesicherte Gebiete (vgl. rot karierte Flächen in Detailkarten). Damit sind folgende Rechtswirkungen verbunden:

Im vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiet ist gemäß § 78 Abs. 1 WHG untersagt

  1. Die Ausweisung von neuen Baugebieten in Bauleitplänen oder sonstigen Satzungen nach dem Baugesetzbuch, ausgenommen Bauleitpläne für Häfen und Werften,
  2. die Errichtung oder Erweiterung baulicher Anlagen nach den §§ 30, 33, 34 und 35 des Baugesetzbuches,
  3. die Errichtung von Mauern, Wällen oder ähnlichen Anlagen quer zur Fließrichtung des Wassers bei Überschwemmungen,
  4. das Aufbringen und Ablagern von wassergefährdenden Stoffen auf dem Boden, es sei denn, die Stoffe dürfen im Rahmen einer ordnungsgemäßen Land- und Forstwirtschaft eingesetzt werden,
  5. die nicht nur kurzfristige Ablagerung von Gegenständen, die den Wasserabfluss behindern können oder die fortgeschwemmt werden können,
  6. das Erhöhen oder Vertiefen der Erdoberfläche,
  7. das Anlegen von Baum- und Strauchpflanzungen, soweit diese den Zielen des vorsorgenden Hochwasserschutzes gemäß § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 6 und § 75 Abs. 2 WHG entgegenstehen,
  8. die Umwandlung von Auwald in eine andere Nutzungsart.

Satz 1 gilt nicht für Maßnahmen des Gewässerausbaus, des Baus von Deichen und Dämmen, der Gewässer- und Deichunterhaltung, des Hochwasserschutzes sowie für Handlungen, die für den Betrieb von zugelassenen Anlagen oder im Rahmen zugelassener Gewässerbenutzungen erforderlich sind.

Das Landratsamt Aschaffenburg kann abweichend von der o. g. Nr. 1 die Ausweisung neuer Baugebiete unter den Voraussetzungen des § 78 Abs. 2 WHG zulassen.

Das Landratsamt Aschaffenburg kann abweichend von der o. g. Nr. 2 die Errichtung oder Erweiterung baulicher Anlagen nach den §§ 30, 33, 34 und 35 des Baugesetzbuches zulassen, wenn im Einzelfall das Vorhaben

  1. die Hochwasserrückhaltung nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt und der Verlust von verloren gehendem Rückhalteraum zeitgleich ausgeglichen wird,
  2. den Wasserstand und den Abfluss bei Hochwasser nicht nachteilig verändert,
  3. den bestehenden Hochwasserschutz nicht beeinträchtigt und
  4. hochwasserangepasst ausgeführt wird

oder wenn die nachteiligen Auswirkungen durch Nebenbestimmungen ausgeglichen werden können.

Das Landratsamt Aschaffenburg kann abweichend von den o. g. Nrn. 3 bis 8 Maßnahmen zulassen, wenn

  1. Belange des Wohls der Allgemeinheit dem nicht entgegenstehen, der Hochwassserabfluss und die Hochwasserrückhaltung nicht wesentlich beeinträchtigt werden und
  2. eine Gefährdung von Leben oder erhebliche Gesundheits- oder Sachschäden nicht zu befürchten sind

oder die nachteiligen Auswirkungen ausgeglichen werden können.

Flächen, die bereits als Überschwemmungs- oder Vorranggebiet festgesetzt wurden, sind von der vorläufigen Sicherung nicht betroffen, da sie bereits gesichert sind und die oben beschriebenen Rechtswirkungen somit schon bestehen.

Die vorläufige Sicherung ist Grundlage für das eigentliche Verfahren des Landratsamtes Aschaffenburg über die Festsetzung eines Überschwemmungs­gebietes durch Rechtsverordnung. Die vorläufige Sicherung endet, sobald die Rechtsverordnung in Kraft tritt oder das Festsetzungsverfahren eingestellt wird. Sie endet spätestens nach Ablauf von fünf Jahren. Im begründeten Einzelfall kann die Frist von der Kreisverwaltungsbehörde höchstens um zwei weitere Jahre verlängert werden (vgl. hierzu Art. 47 Abs. 3 BayWG).

Aschaffenburg, 21.02.2017
Landratsamt Aschaffenburg

Waltraud Junker
Regierungsdirektorin